Die Klostertradition
In diesem Zentrum der Hohenburger Frömmigkeit versammelten sich um Odilia junge Mädchen im Zeichen der christlichen Nächstenliebe in clausur. Das Ordensleben war das ganze Mittelalter hindurch von den Regeln des heiligen Benedikt und des heiligen Kolumban geprägt. Leider war das Kloster über die Zeit hinweg auch zahlreichen Zerstörungen ausgesetzt. Zur Einweihung der durch einen Brand vernichteten und wieder aufgebauten Klosterkirche kam im Jahre 1050 sogar Papst Leo IX der selbst Elsässer war.
Neue Impulse im Kloster setzten die Äbtissinnen Relindis und Herrad. Nicht nur zahlreiche Renovierungen des Klosterbaus und die Abfassung der berühmten Handschrift "der Hortus delicianum" sind ihnen zu verdanken, sie führten auch die Ordensregeln des heiligen Augustinus im Konvent ein.
Ab dem 14. Jahrhundert wurde das Kloster wiederholt Opfer von Bränden und Plünderungen nicht zuletzt als Folge der Kriege, die in diesem Zeitraum wüteten. Schließlich hinterließ auch der Glaubenskrieg seine Spuren und das Klosterleben endete als seine Folge zunächst im Jahre 1546.
Der Dreißigjährige Krieg und später die Französische Revolution verwüsteten den Odilienberg aufs Neue. Während der Französischen Revolution wurde der Odilienberg zum Nationalgut erklärt und so endgültig säkularisiert. Er wechselte von da an dutzend Mal seine weltlichen Besitzer. Erst 1853 brachte eine Kollekte unter den elsäßer Katholiken die für den Rückerwerb des hohenburger Klosters notwendige Summe zusammen. Der Bischof von Straßburg wurde somit neuer Eigentümer. Eine Gemeinschaft von Franziskanerinnen betreute anfänglich die Wallfahrt und die Pilger. In dieser Aufgabe wurde sie 1889 von den Schwestern der straßburger Kongregation des Heiligen Kreuzes abgelöst. In Anlehnung an das antike "laus perennis" richtete die Straßburger Diözese im Juli 1931 das Werk der ununterbrochenen Anbetung ein, das von den katholischen Männern der näheren Umgebung erbracht wurde und wird. Dieses ständige Lob- und Dankgebet ist auch heute die lebendige Seele des Klosters Odilienberg.
